Wie man effektiv Globalisierung verhindert. Ich bestelle eine kleine
Sammlung T-Shirts im Ausverkauf von
Threadless. Sehr schoener Laden,
hoffentlich clont den mal einer in Deutschland, moeglichst mit
aehnlich hochwertigen Motiven.
Weil das Paket komisch aussieht (12 Shirts in einen ca. A4-Umschlag
(vermutlich vakuum-)gestopft), klebt der Zoll in Frankfurt/Main das
gruene Ding "Selbstverzollung" drauf. Damit bin ich Schmuggler wohl
ertappt und muss zum "Zollamt Post", dessen Lage man von meinem Heim
aus nur als "am A... ndereren Ende der Stadt" bezeichnen kann. Der
Flyer sagt, ich soll eine deutsche Rechnung mitbringen, vermutlich
damit der Wert taxiert werden kann. Was er nicht sagt, ist, dass ich
auch Zeit mitbringen soll - zu den sehr amtsdeutschen
Oeffnungszeiten.
Also frueh hingurken (das Amt schliesst kurz nach der Mittagspause),
die richtige leere Stelle am ca. 15m langen Tisch finden ("Anmeldung")
und auf den einzigen Beamten warten, der sich ausgiebig mit dem Kunden
vor mir beschaeftigt. Zettel abgeben, Platz nehmen. Nach 5 Minuten
aufgerufen werden, Paket aufreissen, Inhalt erklaeren, englische
E-Mail vorzeigen. Der Beamte fuellt 15 (!) Minuten lang angestrengt
ein Formular aus (ich darf nochmal Platz nehmen), bemueht sogar ein
Buch. Sein Rechner zeigt die ganze Zeit den Bildschirmschoner.
Mein Formular wird zur Kasse gegeben, ich warte tapfer 5 Minuten,
frage dann doch mal nach, ob ich nicht vergessen wurde... "Ich rufe
Sie auf, wenn ich was habe". Werde nach 2 Minuten aufgerufen und darf
in Bar bezahlen: 12% Zoll fuer Textilwaren, 19% Maerchensteuer. Das
ganze auf 152 Dollar Warenwert. Dass der Warenwert nur 120 Dollar und
der Rest Porto/Verpackung sind, scheint sowenig eine Rolle zu spielen,
wie dass der Kauf getaetigt wurde, als noch die Steuer von 16%
galt. Nach etwas mehr als 30 Minuten verlasse ich das Gebaeude,
sicher, dass ich nicht nochmal dahin will. Nicht daran denken, wie es
dort abgeht, wenn Publikumsverkehr herrschen wuerde.
Auffaellig ist, dass die Rentenkonvergenz aller ersichtlichen
Zollbeamten deutlich zu sehen war. Irgendwie hatte ich das Gefuehl,
dass das Amt geschlossen wird, sobald der/die/das letzte Beamte nicht
mehr im Staatsdienst ist.
Das laesst mich hoffen, denn vielleicht wuerde dann der im Bild
hervorgehobene Aufkleber seiner Bestimmung zugefuehrt werden. Ein
(halb)automatisches Zollsystem wuerde einen Barcode draufkleben, der
dafuer sorgt, dass der Postbote Zoll und Steuern einzieht. Das waere
toll, denn so koennte jedes Paket verzollt/besteuert werden und nicht
nur die, die bei einer Stichprobe auffallen. Die gestiegenen Einnahmen
wuerden dann den Dienst der Post finanzieren. (Waere die Post noch
staatlich, waere die letzte Ueberlegung nicht noetig.)
Bis dahin: Nur in kleinen Dosen im Ausland bestellen und nach
Moeglichkeit in unauffaelligen Paketen versenden lassen. Oder eben nur
noch in der EU bestellen, auch keine so schlechte Sache. Aber warum
macht hier keiner so schoene Shirts?!